Was ist förderfähig, und was nicht?

Forschungszulage für Software & KI: Was ist förderfähig (und was nicht)?
Fast jedes Tech-Team sagt: “Wir machen R&D.” Die BSFZ fragt eher: “Erzeugt ihr neues technisches Wissen – oder baut ihr ‘nur’ ein Produkt?” Gerade bei Software & KI ist die Grenze wichtig, weil viele Tätigkeiten zwar wertvoll sind, aber nicht automatisch F&E im Sinne der Forschungszulage.
Der Kern: Woran die BSFZ bei Software-Projekten glaubt (oder zweifelt)
Damit Softwareentwicklung als F&E gilt, müssen typischerweise 3 Dinge klar werden:
1) Neuartigkeit: Was ist wirklich neu?
Nicht: “Wir nutzen LLMs / bauen eine App.” Sondern: “Wir entwickeln Methode X, weil Standardansatz Y unter Randbedingung Z scheitert.”
2) Technische Ungewissheit: Was ist unklar, bevor ihr startet?
Beispiele:
Latenz / Skalierung / Datenqualität verhindert Standardlösung
Modellgenauigkeit unter realen Bedingungen unklar
robuste Generalisierung bei Domain-Shift
Echtzeit-Optimierung unter harten Constraints
3) Planmäßigkeit: Wie testet/validiert ihr systematisch?
Hypothesen → Experimente → Ergebnisse → Iteration
Benchmarking / Tests / Reproduzierbarkeit
Arbeitspakete (und was “Done” heißt)
Förderfähige Beispiele (typisch)
Hier sind Muster, die oft gut passen (wenn sauber beschrieben):
KI/ML
Entwicklung neuer Modellarchitektur/Ensembling für eure Domäne
Verfahren zur robusten Anomalieerkennung bei seltenen Events
Data-centric AI: neue Pipeline zur Label-Qualitätssicherung, die Standardtools nicht abdecken
On-device / Edge-Inference unter extremen Ressourcenlimits
Data/Algorithmik/Optimization
neuartige Forecasting-Methodik für volatile Nachfrage in Supply Chains
Multi-Objective Optimization (Kosten/Lieferzeit/CO2) mit neuem Lösungsansatz
Echtzeit-Scheduling/Dispatching mit harten Restriktionen
Systems/Infra
eigene Kompression, Streaming, Caching-Strategien wegen spezieller Datenformen
neue Sicherheits-/Privacy-Methoden für sensible Datenverarbeitung
deterministische Deployments/Observability für ML-Systeme in regulated environments
Nicht förderfähig (die häufigsten Missverständnisse)
Viele Teams verlieren Förderung, weil sie “alles reinwerfen”. Typische Nicht-F&E-Bestandteile sind u. a.:
Marketing/Sales, Website-Anpassungen, Markteinführung
Customer Support / Betrieb eines Produktivsystems
Erstellung von Doku/Handbüchern/Schulungsmaterial, Preislisten etc.
Achtung: Das heißt nicht “Projekt tot” – sondern Scope trennen.
So schreibst du einen BSFZ-tauglichen Software-Antrag (Template)
Wenn du eine Projektbeschreibung schreibst, mach es so konkret wie möglich:
(1) Ziel / Wissenslücke
Welche technische Lücke wollt ihr schließen?
Was kann der Stand der Technik nicht?
(2) Ausgangslage / Stand der Technik
Welche Methoden habt ihr geprüft? Warum reichen sie nicht?
(3) Ungewissheiten / Risiken
Welche Parameter sind unsicher?
Was kann schiefgehen?
(4) Lösungsweg (Arbeitspakete)
Datenerhebung/-aufbereitung
Modell-/Algorithmusentwicklung
Prototyping
Test/Validierung (z. B. Benchmarks, Offline/Online Tests)
Iterationen
(5) Ergebnis & Messkriterien
Welche technischen KPIs beweisen Erfolg?
Pro-Tipp: Die BSFZ hat auf ihrer Seite sogar Beispielanträge und Hinweise, wie “gut” vs. “schlecht” formuliert ist.
Bonus: Warum Software-Projekte oft unterschätzt werden
Viele Softwareteams dokumentieren (verständlicherweise) “Produktfeatures”. Für die Forschungszulage musst du “Technikfortschritt” dokumentieren. Heißt praktisch: Ihr braucht kein 80-Seiten-Papier – aber ihr braucht eine saubere Story über Neuheit, Ungewissheit, Plan.
Written by

Marvin Vocke
Founder
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