Forschungszulage nach Branche

Forschungszulage für Automobil und Zulieferer

Entwicklung nach Kundenlastenheft ist nicht automatisch Forschung und Entwicklung. Förderfähig ist der Teil, in dem zu Beginn offen war, ob eine Funktion, ein Werkstoff oder ein Verfahren die geforderten Werte erreicht. Wo diese Grenze verläuft, steht auf dieser Seite.

Forschungszulage nach Branche

Forschungszulage für Automobil und Zulieferer

Entwicklung nach Kundenlastenheft ist nicht automatisch Forschung und Entwicklung. Förderfähig ist der Teil, in dem zu Beginn offen war, ob eine Funktion, ein Werkstoff oder ein Verfahren die geforderten Werte erreicht. Wo diese Grenze verläuft, steht auf dieser Seite.

Forschungszulage nach Branche

Forschungszulage für Automobil und Zulieferer

Entwicklung nach Kundenlastenheft ist nicht automatisch Forschung und Entwicklung. Förderfähig ist der Teil, in dem zu Beginn offen war, ob eine Funktion, ein Werkstoff oder ein Verfahren die geforderten Werte erreicht. Wo diese Grenze verläuft, steht auf dieser Seite.

Die Abgrenzung

Wo Serienentwicklung aufhört und Forschung anfängt.

Zulieferer entwickeln fast durchgehend – aber meist im Auftrag und nach Lastenheft. Genau das macht die Abgrenzung schwierig. Dass ein Bauteil neu konstruiert wird, begründet keine technische Unsicherheit, wenn Auslegung und Erprobung dem bekannten Ablauf folgen. Serienreife ist kein Forschungsziel.

Förderfähig wird es dort, wo eine Zielgröße erst im Versuch geklärt werden konnte. Eine Lebensdauer, die rechnerisch nicht abgesichert werden konnte. Ein Werkstoff, dessen Verhalten unter Temperatur oder Vibration offen war. Eine Fahrfunktion, deren Zuverlässigkeit im Realbetrieb nicht vorhersehbar war. Der Prüfstand ist hier oft der entscheidende Nachweis.

Beim Thema Auftragsentwicklung kommt eine zweite Frage hinzu: Wer trägt das technische Risiko und wem steht das Ergebnis zu? Wird eine Entwicklungsleistung vollständig vergütet und das Ergebnis dem Auftraggeber übertragen, ist die Zuordnung der Forschungszulage im Einzelfall zu prüfen. Das sollte vor der Einreichung geklärt sein.

Auch hier gilt: bewusst abgrenzen. Werkzeugbau, Bemusterung, PPAP, Serienanlauf, Qualitätssicherung und Änderungsmanagement gehören zum Projekt, sind aber selten der förderfähige Kern. Ein Antrag, der die Erprobungsphase klar herausarbeitet, ist prüffähiger als einer, der das gesamte Kundenprojekt einreicht.

Die drei Kriterien in der Automobilentwicklung

Neuheit

Kein verfügbares Bauteil, kein etabliertes Verfahren erfüllt die Anforderung. Der Stand der Technik ist mit Kennwert oder Vorgängerbauteil benannt.

Technische Unsicherheit

Ob Lebensdauer, Funktion oder Prozessfähigkeit erreichbar sind, steht vor der Erprobung nicht fest. Kundendruck und Termine zählen nicht.

Systematik

Auslegung, Versuch, Messung, Konstruktionsänderung – nachvollziehbar in Prüfstandsdaten, Musterständen und Berichten.

Achtzehn Tätigkeiten

Was in Automobilprojekten wie eingeordnet wird.

Die folgende Einordnung beschreibt typische Fälle. Maßgeblich ist immer das konkrete Vorhaben.

Tätigkeit

Befund

Worauf es ankommt

Nachweis

Entwicklung eines neuen Antriebs- oder Wirkkonzepts, dessen Funktionsnachweis vorab nicht gesichert war

Förderfähig

Bekannte Konzepte müssen nachweislich an der Anforderung gescheitert sein

Auslegungsrechnungen, Prüfstandsdaten, verworfene Konzepte

Entwicklung einer Batteriezelle, eines Moduls oder eines Thermomanagements mit unsicherem Betriebsverhalten

Förderfähig

Kapazität, Zyklenfestigkeit oder Sicherheit müssen vorab offen gewesen sein

Zyklentests, Thermografie, Missbrauchsprüfungen

Entwicklung einer Fahrfunktion, deren Zuverlässigkeit im Realbetrieb nicht vorhersehbar war

Förderfähig

Die Zielgröße muss benannt und technisch ungelöst gewesen sein

Erprobungsdaten, Fehlerraten, Szenarienkataloge

Einsatz eines neuen Werkstoffs oder Fügeverfahrens mit unsicherem Langzeitverhalten

Förderfähig

Festigkeit, Korrosion oder Alterung müssen offen gewesen sein

Materialprüfungen, Dauerlaufversuche, Schadensanalysen

Entwicklung eines Fertigungsverfahrens für eine bislang nicht beherrschte Toleranz oder Taktzeit

Förderfähig

Das Prozessfenster muss vorab unbekannt gewesen sein

Versuchspläne, Prozessparameter, Fähigkeitskennwerte

Erprobungsreihe oder Funktionsmuster, die nach Auswertung verworfen wurden

Förderfähig

Scheitern schadet nicht – entscheidend sind Systematik und Dokumentation

Versuchsplan, Ergebnis, Abbruchentscheidung

Entwicklung von Steuergerätesoftware für eine neue Funktion

Einzelfall

Nur wenn Regelgüte, Echtzeitverhalten oder Absicherung technisch ungelöst waren

Messschriebe, Testprotokolle, Iterationsstände

Leichtbau oder Materialsubstitution an bestehenden Bauteilen

Einzelfall

Nur wenn Steifigkeit, Crashverhalten oder Lebensdauer nicht abgesichert werden konnten

Vergleichsrechnungen, Bauteilversuche

Simulation und Berechnung zur Auslegung von Baugruppen

Einzelfall

Nur wenn die Simulation eine offene Frage klärt und nicht ein bekanntes Ergebnis bestätigt

Modellaufbau, Parametervariation, Abgleich mit Messung

Entwicklung eines Prüf- oder Messverfahrens für eine neue Anforderung

Einzelfall

Nur wenn kein normiertes Verfahren existiert und die Methodik selbst entwickelt wurde

Methodenbeschreibung, Vergleichsmessungen

Anpassung einer bestehenden Plattform an neue gesetzliche Grenzwerte

Einzelfall

Nur wenn die Zielwerte mit bekannter Technik nachweislich nicht erreichbar waren

Ausgangs- und Zielwerte, Erprobungsdaten

Entwicklung nach Kundenlastenheft im Rahmen bekannter Lösungswege

Nicht förderfähig

Auftragsarbeit ohne eigene technische Fragestellung

Varianten-, Derivats- und Ausstattungsentwicklung auf bestehender Basis

Nicht förderfähig

Variantenpflege ohne neue technische Frage

Werkzeugbau, Bemusterung, PPAP und Erstmusterprüfung

Nicht förderfähig

Serienvorbereitung, kein Erkenntnisgewinn

Serienanlauf, Produktionshochlauf und Taktoptimierung

Nicht förderfähig

Umsetzung eines validierten Verfahrens

Homologation, Typgenehmigung und Normnachweise

Nicht förderfähig

Regulatorische Pflicht, keine technische Unsicherheit

Qualitätssicherung, 8D-Bearbeitung und Reklamationsanalyse

Nicht förderfähig

Laufender Betrieb im Rahmen bekannter Lösungswege

Änderungsmanagement und Kostenoptimierung an Serienteilen

Nicht förderfähig

Wiederholung bekannter Lösungen

Dieselbe Tätigkeit kann in einem Vorhaben förderfähig und in einem anderen Routine sein. Entscheidend ist nicht, was gemacht wurde, sondern ob zu Beginn offen war, ob es funktioniert.

Häufige Ablehnungsgründe

Woran Automobil-Anträge typischerweise scheitern.

Kundenprojekt statt Entwicklungsvorhaben

Der Antrag folgt dem Lastenheft, nicht der technischen Frage. Sobald Werkzeugbau, Bemusterung und Serienanlauf enthalten sind, liest die BSFZ eine Auftragsabwicklung.

Neuentwicklung mit Neuartigkeit verwechselt

Dass ein Bauteil neu konstruiert wurde, begründet keine technische Unsicherheit. Es fehlt die Aussage, welcher Lösungsweg unbekannt war.

Zuordnung bei Auftragsentwicklung ungeklärt

Wenn der Auftraggeber die Entwicklung vollständig vergütet und das Ergebnis erhält, ist offen, wem die Forschungszulage zusteht. Das muss vor der Einreichung geprüft sein.

Erprobungsstunden nicht getrennt erfasst

Konstruktions-, Versuchs- und Serienbetreuungsstunden laufen im selben Projekt. Gleichmäßige Anteile über Monate hinweg sind ein bekanntes Prüfmuster.

Dokumentation

Der Prüfstand ist der Nachweis.

In der Automobilentwicklung wird umfassend geprüft und dokumentiert – nur meist für Freigabe und Kunde, nicht für die Forschungszulage. Prüfstandsdaten, Musterstände, Erprobungsberichte, Messreihen und Änderungsverläufe enthalten trotzdem fast alles, was BSFZ und Finanzamt brauchen.

Was fehlt, ist die Verbindung zur Fragestellung. Aus den Unterlagen muss hervorgehen, welche Auslegung unsicher war, welcher Zielwert galt, was die Erprobung ergeben hat und welcher Musterstand warum verworfen wurde. Verworfene Stände sind dabei oft aussagekräftiger als der freigegebene.

Für rückwirkende Jahre gilt: Rekonstruktion ist möglich, aber sie braucht Anker in vorhandenen Artefakten und eine dokumentierte Methodik. Wo Entwicklungs- und Serienbetreuungsstunden nie getrennt erfasst wurden, wird die Argumentation schnell dünn.

Was wir typischerweise auswerten

Prüfstandsdaten und Erprobungsberichte

Musterstände und Änderungsverläufe

Auslegungsrechnungen und Simulationsergebnisse

Rollen, Stundensätze und Personalstammdaten

Ein Bauteil wird nicht dadurch förderfähig, dass es neu konstruiert wurde. Es wird interessant, wenn vor der Erprobung nicht feststand, ob die Auslegung trägt.

Marvin Vocke, Co-Founder Grantonomy

Ein Bauteil wird nicht dadurch förderfähig, dass es neu konstruiert wurde. Es wird interessant, wenn vor der Erprobung nicht feststand, ob die Auslegung trägt.

Marvin Vocke, Co-Founder Grantonomy

Rechenbeispiel

Was ein Entwicklungsteam beim Zulieferer typischerweise erreicht.

Entwicklungsteam

18 Personen, davon 9 mit FuE-Anteil

Personalkosten der FuE-Personen

765.000 € im Wirtschaftsjahr

FuE-Anteil nach Abgrenzung

30 %

Bemessungsgrundlage

229.500 €

Gemeinkostenzuschlag ab 2026

20 % → 275.400 €

Forschungszulage bei 35 % (KMU)

96.390 €

Entwicklungsteam

18 Personen, davon 9 mit FuE-Anteil

Personalkosten der FuE-Personen

765.000 € im Wirtschaftsjahr

FuE-Anteil nach Abgrenzung

30 %

Bemessungsgrundlage

229.500 €

Gemeinkostenzuschlag ab 2026

20 % → 275.400 €

Forschungszulage bei 35 % (KMU)

96.390 €

Beispielrechnung zur Veranschaulichung. Der FuE-Anteil ergibt sich aus der konkreten Abgrenzung und der Zeiterfassung, nicht aus einer Pauschale. 42 % ist kein gesetzlicher Satz, sondern der rechnerische Effektivwert aus 35 % Fördersatz und dem Gemeinkostenzuschlag.

Der Unterschied im Vorgehen

Der Unterschied im Vorgehen

Branchenlogik allein reicht nicht.

GrantonomyOS

Die Einordnung ist der Anfang. Belastbar wird ein Antrag erst, wenn Projektstruktur, Stunden, Kosten und Dokumentation über Jahre zusammenpassen — und einer Prüfung standhalten.

Vorprüfung

Vorprüfung der Vorhaben gegen die drei Kriterien, bevor Aufwand entsteht.

Antrags-Copilot

Projektbeschreibungen für die BSFZ, aus euren technischen Artefakten hergeleitet.

Zeiterfassung

Stunden und Rollen nach GoBD-Grundsätzen, monatlich festgeschrieben.

Audit-Ready AI

Simulierte Prüfung vor der Einreichung: wo die Argumentation noch nicht trägt.

FAQ

Fragen zur Forschungszulage
bei Automobil und Zulieferern.

Ist Entwicklung nach Kundenlastenheft förderfähig?

Nicht pauschal. Entscheidend ist, ob innerhalb des Auftrags eine technische Frage offen war, die erst im Versuch geklärt werden konnte. Reine Umsetzung bekannter Lösungswege ist Auftragsarbeit.

Wem steht die Forschungszulage bei Auftragsentwicklung zu?

Sind Prototypen und Funktionsmuster förderfähig?

Zählt die Umsetzung neuer gesetzlicher Grenzwerte?

Was ist, wenn die Zielwerte nicht erreicht wurden?

Was ist mit externen Entwicklungs- und Prüfdienstleistern?