Forschungszulage nach Branche

Forschungszulage für Software und SaaS

Nicht jede Softwareentwicklung ist Forschung und Entwicklung. Förderfähig ist der Teil, in dem zu Beginn offen war, ob die technische Anforderung überhaupt erreichbar ist. Wo diese Grenze verläuft, steht auf dieser Seite.

Forschungszulage nach Branche

Forschungszulage für Software und SaaS

Nicht jede Softwareentwicklung ist Forschung und Entwicklung. Förderfähig ist der Teil, in dem zu Beginn offen war, ob die technische Anforderung überhaupt erreichbar ist. Wo diese Grenze verläuft, steht auf dieser Seite.

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Forschungszulage für Software und SaaS

Nicht jede Softwareentwicklung ist Forschung und Entwicklung. Förderfähig ist der Teil, in dem zu Beginn offen war, ob die technische Anforderung überhaupt erreichbar ist. Wo diese Grenze verläuft, steht auf dieser Seite.

Die Abgrenzung

Wo Entwicklung aufhört und Forschung anfängt.

Softwareunternehmen bauen über Jahre an einem Produkt. Für die Forschungszulage zählt davon nur der Teil, der technische Unsicherheit enthält. Login, Rollenrechte, Billing und Admin-Bereiche gehören fast nie dazu – nicht weil sie einfach wären, sondern weil der Lösungsweg bekannt ist.

Interessant wird es dort, wo eine Anforderung mit verfügbaren Mitteln nicht erfüllbar war. Eine Datenarchitektur, die heterogene Quellen in Echtzeit verarbeitet, mandantenfähig bleibt, Ausfälle isoliert und unter Last stabil bleibt, ist ein anderes Problem als die Anbindung einer dokumentierten Schnittstelle.

Bei KI-Komponenten ist die Grenze besonders scharf. Die Nutzung einer LLM-API einschließlich Prompt-Engineering ist Implementierung. Eigene Evaluationslogik, Absicherung gegen Halluzination, Quellenpriorisierung oder agentische Steuerung können technische Unsicherheit enthalten.

Eine gute Abgrenzung heißt auch, bewusst nicht alles zu beantragen. Ein Antrag, der nur die echten Unsicherheiten enthält, ist prüffähiger als ein Sammelantrag, der Produktarbeit, Support und Kundenanpassung mit einrechnet.

Die drei Kriterien in der Software

Neuheit

Keine verfügbare Bibliothek, kein etabliertes Muster erfüllt die Anforderung. Der Stand der Technik ist benannt.

Technische Unsicherheit

Ob der Zielwert erreichbar ist, steht vor der Umsetzung nicht fest. Termindruck zählt nicht.

Systematik

Hypothese, Implementierung, Messung, Iteration – nachvollziehbar in Versionsständen und Testergebnissen.

Achtzehn Tätigkeiten

Was in der Softwareentwicklung wie eingeordnet wird.

Die folgende Einordnung beschreibt typische Fälle. Maßgeblich ist immer das konkrete Vorhaben.

Tätigkeit

Befund

Worauf es ankommt

Nachweis

Entwurf und Erprobung einer mandantenfähigen Datenarchitektur, deren Isolations- und Lastverhalten vorab nicht bestimmbar war

Förderfähig

Verfügbare Architekturmuster müssen nachweislich an der Anforderung gescheitert sein

Architekturentscheidungen, Lasttests, verworfene Entwürfe

Verfahren zur Echtzeitverarbeitung heterogener Datenströme unter fester Latenzvorgabe

Förderfähig

Die Latenz- oder Durchsatzgrenze muss vorab benannt und unsicher gewesen sein

Messreihen, Zielwert gegen Ist, Iterationsstände

Verfahren für Konsistenz und Ausfallisolierung in verteilten Systemen

Förderfähig

Standardmuster müssen an einer konkreten Eigenschaft gescheitert sein

Fehlerinjektionstests, Konsistenzprotokolle

Entwicklung eigener Modell- oder Scoring-Komponenten im Produkt

Förderfähig

Eigene Trainings-, Evaluations- oder Absicherungslogik, nicht nur Modellauswahl

Experiment Logs, Metriken, Datensatzversionen

Offline-Fähigkeit mit eigener Konfliktauflösung

Förderfähig

Die Konfliktlogik muss über bekannte Verfahren hinausgehen

Spezifikation, Testfälle, Fehlerraten

Machbarkeitsstudie oder Prototyp, der nach Erprobung verworfen wurde

Förderfähig

Scheitern schadet nicht – entscheidend sind Systematik und Dokumentation

Versuchsplan, Ergebnis, Abbruchentscheidung

Entwicklung einer eigenen Such- und Indexierungslogik

Einzelfall

Nur wenn belegt ist, dass vorhandene Engines die Anforderung nicht erfüllen

Vergleichsmessungen gegen Standardlösungen

Performance-Optimierung unter realen Lastbedingungen

Einzelfall

Nur wenn der Zielwert zu Beginn als nicht sicher erreichbar galt

Ausgangs- und Zielwerte, Optimierungsschritte

Datenpipeline mit eigener Qualitäts- und Deduplizierungslogik

Einzelfall

Die Logik muss über Regelwerke und bekannte Verfahren hinausgehen

Fehlerquoten vorher und nachher, Verfahrensbeschreibung

Sicherheits- oder Verschlüsselungsarchitektur

Einzelfall

Kritisch bei Einsatz etablierter Bibliotheken, relevant bei neuartigen Anforderungen

Bedrohungsmodell, Prüfberichte, Entwurfsalternativen

Testautomatisierung und CI-Infrastruktur

Einzelfall

Interne Werkzeuge nur, wenn sie selbst technische Unsicherheit enthalten

Anforderungsprofil, Entwicklungsstände

Migration einer Anwendung in die Cloud

Nicht förderfähig

Relevant nur, wenn die Migration selbst ein ungelöstes technisches Problem enthält

Login, Rollen und Rechte, Billing, Admin-Oberflächen

Nicht förderfähig

Etablierte Muster, technischer Erfolg von Beginn an absehbar

Anbindung einer Drittanbieter-Schnittstelle nach dokumentierter Spezifikation

Nicht förderfähig

Integration ist Implementierung, keine Forschung

Neuimplementierung bestehender Funktionalität in anderer Sprache oder Framework

Nicht förderfähig

Refactoring ohne neue technische Frage

Nutzung einer LLM-API einschließlich Prompt-Engineering

Nicht förderfähig

Relevant wird erst eigene Evaluations- oder Steuerungslogik

Redesign der Oberfläche, Aufbau eines Designsystems

Nicht förderfähig

Gestaltung ist keine technische Unsicherheit

Wartung, Bugfixing, Support, Sicherheitsupdates, kundenspezifische Konfiguration

Nicht förderfähig

Laufender Betrieb im Rahmen bekannter Lösungswege

Dieselbe Tätigkeit kann in einem Vorhaben förderfähig und in einem anderen Routine sein. Entscheidend ist nicht, was gemacht wurde, sondern ob zu Beginn offen war, ob es funktioniert.

Häufige Ablehnungsgründe

Woran Softwareanträge typischerweise scheitern.

Produktbeschreibung statt Problembeschreibung

Der Antrag erklärt, was die Software kann, nicht welche technische Frage offen war. Die BSFZ liest daraus eine Produktentwicklung.

Zu breiter Projektzuschnitt

Das gesamte Release wird als ein Vorhaben eingereicht. Sobald Support, UI-Arbeit und Konfiguration enthalten sind, gerät der förderfähige Kern unter Verdacht.

Unsicherheit erst nachträglich konstruiert

Die technische Unsicherheit taucht nur im Antragstext auf, nicht in Tickets, Architekturentscheidungen oder Testergebnissen aus dem Projektzeitraum.

Stundenverteilung ohne Realitätsbezug

Gleichmäßige Anteile über Monate und Jahre hinweg sind ein bekanntes Prüfmuster. Die Zeiterfassung muss den tatsächlichen Verlauf abbilden.

Dokumentation

Die Belege liegen meist schon vor.

Softwareteams arbeiten in der Regel systematisch – nur nicht auf die Forschungszulage hin. Commits, Pull Requests, Architekturentscheidungen, Tickets, Benchmarks und Testprotokolle enthalten fast immer die Information, die BSFZ und Finanzamt brauchen.

Was fehlt, ist die Übersetzung. Die BSFZ will wissen, welches technische Ziel verfolgt wurde, worin die Neuartigkeit lag, welche Unsicherheit bestand und wie systematisch daran gearbeitet wurde. Das Finanzamt fragt später nach Kosten, Zeiträumen, Rollen und möglicher Doppelförderung.

Für rückwirkende Jahre gilt: Rekonstruktion ist möglich, aber sie braucht Anker in vorhandenen Artefakten und eine dokumentierte Methodik. Frei geschätzte Stunden halten einer Prüfung nicht stand.

Was wir typischerweise auswerten

Versionsverläufe und Architekturentscheidungen

Tickets, Epics und Sprint-Historie

Benchmarks, Lasttests und Experiment Logs

Rollen, Stundensätze und Personalstammdaten

Software ist nicht deshalb förderfähig, weil sie entwickelt wird. Sie wird interessant, wenn technische Unsicherheit systematisch gelöst und sauber von Routineentwicklung abgegrenzt ist.

Marvin Vocke, Co-Founder Grantonomy

Software ist nicht deshalb förderfähig, weil sie entwickelt wird. Sie wird interessant, wenn technische Unsicherheit systematisch gelöst und sauber von Routineentwicklung abgegrenzt ist.

Marvin Vocke, Co-Founder Grantonomy

Rechenbeispiel

Was ein Softwareteam typischerweise erreicht.

Entwicklungsteam

8 Personen, davon 5 mit FuE-Anteil

Personalkosten der FuE-Personen

480.000 € im Wirtschaftsjahr

FuE-Anteil nach Abgrenzung

45 %

Bemessungsgrundlage

216.000 €

Gemeinkostenzuschlag ab 2026

20 % → 259.200 €

Forschungszulage bei 35 % (KMU)

90.720 €

Entwicklungsteam

8 Personen, davon 5 mit FuE-Anteil

Personalkosten der FuE-Personen

480.000 € im Wirtschaftsjahr

FuE-Anteil nach Abgrenzung

45 %

Bemessungsgrundlage

216.000 €

Gemeinkostenzuschlag ab 2026

20 % → 259.200 €

Forschungszulage bei 35 % (KMU)

90.720 €

Beispielrechnung zur Veranschaulichung. Der FuE-Anteil ergibt sich aus der konkreten Abgrenzung und der Zeiterfassung, nicht aus einer Pauschale. 42 % ist kein gesetzlicher Satz, sondern der rechnerische Effektivwert aus 35 % Fördersatz und dem Gemeinkostenzuschlag.

Der Unterschied im Vorgehen

Der Unterschied im Vorgehen

Branchenlogik allein reicht nicht.

GrantonomyOS

Die Einordnung ist der Anfang. Belastbar wird ein Antrag erst, wenn Projektstruktur, Stunden, Kosten und Dokumentation über Jahre zusammenpassen — und einer Prüfung standhalten.

Vorprüfung

Vorprüfung der Vorhaben gegen die drei Kriterien, bevor Aufwand entsteht.

Antrags-Copilot

Projektbeschreibungen für die BSFZ, aus euren technischen Artefakten hergeleitet.

Zeiterfassung

Stunden und Rollen nach GoBD-Grundsätzen, monatlich festgeschrieben.

Audit-Ready AI

Simulierte Prüfung vor der Einreichung: wo die Argumentation noch nicht trägt.

FAQ

Fragen zur Forschungszulage in der Softwareentwicklung.

Ist Softwareentwicklung überhaupt förderfähig?

Ja, aber nicht pauschal. Förderfähig ist der Teil der Entwicklung, in dem technische Unsicherheit bestand. Das FZulG unterscheidet nicht nach Branche, sondern nach der Art der Tätigkeit.

Zählt die Entwicklung eines SaaS-Produkts als Forschung?

Ist der Einsatz von KI automatisch förderfähig?

Können wir rückwirkend beantragen?

Was ist, wenn das Projekt gescheitert ist?

Was ist mit externen Entwicklern?